„Sie ließen statt unser ihr Leben.“

18.-27. Mai 1980 in Gwangju, einer Provinzhauptstadt in Südkorea. Ein Massaker verübt von der Militärregierung um die Demokratiebewegung niederzuschlagen. Dies ist der historische Rahmen, in welchem sich das Buch „Menschenwerk“ bewegt. Han Kang nähert sich der Geschichte zugleich auf brutale und zärtliche Weise. Dong-Ho ist ein Schüler, der in einer Turnhalle die ankommenden Leichen des Massakers registriert, um sie identifizieren zu lassen. Dieses Kapitel ist in „Du-Form“ geschrieben, wodurch die Identifikation der Leserin sehr stark ist. Alle weiteren Kapitel erzählen aus der Perspektive der Menschen, die mit Dong-Ho den friedlichen Aufstand der Demokratiebewegung sowie dessen gewaltsame Niederschlagung erlebten. Die folgenden Kapitel spielen im Gefängnis, in einem Massengrab, manche Protagonist_innen sind auf der Suche nach geliebten Menschen, Überlebende, sowie Familien von Ermordeten kommen zu Wort. Die Pronomen der Akteur_innen wechseln immer in Bezug zu Dong-Ho. Das große Thema, welches die Autorin beschäftigt, ist Gewalt und all ihre Auswirkung auf Betroffene und nahestehende Personen, aber auch darum sich weiterzubewegen.

Im Epilog beschreibt die Autorin ihr Verhältnis zu diesem Aufstand. Sie hat die Demokratiebewegung zwar nicht miterlebt, aber als Kind Fragmente von Gesprächen aufgefasst. Sie geht auf ihre Recherche zu dem Buch, auf ihre Albträume und ihre Spurensuche ein. Der Epilog ist ebenso ein starker poetischer Text, der dem Roman einen Kontext gibt. Ein Roman, still und gewaltig, voll von surrealen Bildern.

jaw

Han Kang: Menschenwerk. Aus dem Korean. von Ki-Hyang Lee. 222 Seiten, aufbau Verlag, Berlin, 2017 EUR 20,60

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