Sinnentleerte Arbeit

Bereits 2013 hat die japanische Autorin Hiroko Oyamada Die Fabrik geschrieben. Drei Menschen erledigen in einer riesigen hierarchisch geordneten Fabrik sinnlose Aufgaben. Da ist der Moosforscher, der zur Moosbegrünung der Dächer eingesetzt wird und auf dem Fabriksgelände Workshops über Moose für Schüler:innen gestaltet. Selbst nach 15 Jahren sieht er noch keinen Fortschritt in seiner Beschäftigung. Eine junge Frau, deren Berufsleben bisher ständige Jobwechsel mit sich brachte, ist nun in einer Abteilung der Fabrik tätig, wo sie tagtäglich bedrucktes Papier in einen Schredder befördert. Die dritte Person ist für die Korrektur sinnloser Texte zuständig. Als in ihrer Abteilung die Arbeitsplätze durch Trennwände voneinander abgeschirmt werden, arrangiert sie sich stillschweigend mit der neuen Situation. Es wird nicht erläutert, was produziert wird, wodurch sich die Absurdität der Arbeitsschritte steigert. Die Entfremdung, von der die Personen betroffen sind, ist zweischneidig, sie führt zu einem regelrechten Identitätsverlust und auf der anderen Seite zu einer massiven Atomisierung. Kormorane, Nutrias und Eidechsen belagern sukzessive das Fabriksgelände, keiner fühlt sich durch diese Eindringlinge gestört. Die Tiere symbolisieren den Bedrohungscharakter, dass die Ökologie bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wer gern Bücher mit großzügigem Interpretationsspielraum liest, ist mit diesem Werk gut beraten. Eine verschleierte Kritik an den Produktionsverhältnissen in Japan!
ML
Hiroko Oyamada: Die Fabrik. Aus dem Japan. von Nora Bierich. 160 Seiten, Rowohlt, Hamburg 2026 EUR 24,70