Das Leben aus der eigenen Perspektive

1974 wurde der Roman der kanadischen Autorin Margaret Laurence mit dem höchsten Literaturpreis Kanadas ausgezeichnet. Nun ist er erstmals in deutscher Sprache erschienen. Im Mittelpunkt steht das Leben der fiktiven Autorin Morag Gunn, die sich als Alleinerzieherin um die Zukunft ihrer bereits erwachsenen Tochter Pique sorgt und immer wieder Ausschnitte ihrer Vergangenheit vor ihrem inneren Auge aufleben lässt. Insbesondere das erste Drittel des Romans verhandelt die sozialen Unterschiede in der erfundenen Kleinstadt Manawaka. Morag wächst, nachdem ihre Eltern beide verstorben sind, bei ihren armen, schlichten Adoptiveltern auf und schämt sich ständig für ihre familiäre Situation. In den weiteren Kapiteln geht es um Morags Lebensentwurf. Sie entscheidet sich zunächst für eine ökonomisch stabile Zukunft mit einem langweiligen, selbstsüchtigen, 15 Jahre älteren Dozenten. Dann flieht sie aus dieser für sie beruflichen und emotionalen Sackgasse und sie bekommt ein Kind von einem vormaligen Freund, der als Country-Sänger lebt. Dieser entzieht sich jedoch seiner Verantwortung und lässt Morag mit ihrer Tochter im Stich. Neben den bereits genannten Themen geht es im preisgekrönten Roman um Rassismus, Abtreibung und sexuelles Begehren. Mutig, unter der Prämisse, dass der feministische Roman bereits 50 Jahre alt ist.
ML
Margaret Laurence: Glücklichere Tage. Aus dem Engl. von Monika Baark. 543 Seiten, Eisele, München 2026 EUR 28,80