Kampf um die Freiheit
Badjens liest sich wie eine Hommage an iranische Aktivistinnen, an diejenigen, die immer noch kämpfen, und an diejenigen, die durch das Regime verletzt oder umgebracht wurden, wie Mahsa, Nika, Sarina und viele weitere. Es offenbart, wie sich das Leben von weiblich sozialisierten Personen im Iran zwischen externer Kontrolle und weiblichem Zusammenschluss bewegen kann. Noch vor der Geburt der Protagonistin verbreitet sich Unmut in ihrer Familie, über das bei einem Ultraschall zugeschriebene weibliche Geschlecht von Badjens. Dieser Moment markiert den Ausgangspunkt für ihr Leben, das von Unsichtbarkeit und dem Kampf um Selbstbestimmung erzählt. Während besonders ihr Vater Kontrolle ausübt und ihr grundlegende Freiheiten verwehrt, entwickelt Badjens eine leise, aber bedeutende Solidarität mit ihrer Mutter und ihren Freundinnen. Sie werden zu geheimen Komplizinnen ihrer Emanzipation. Vorgesetzte Regeln, Verhaltensweisen und Kleidungsvorschriften bilden tiefe Einschnitte in Badjens‘ Kindheit und Jugend, die zur Geburt ihres „rebellischen Ichs“ führen: Sie beginnt, sich immer mehr Freiräume zu schaffen, sowie virtuelle Schutzräume, eröffnet ein geheimes Tattoostudio in ihrem Zimmer und erforscht ihre Sexualität. Diese Parallelität wird durch den Mord an Mahsa Amini geprägt, der aufgrund eines angeblichen Verstoßes gegen das Kopftuch-Gesetz vom Regime begangen wurde. Ein kollektiver Moment wächst, in dem die Erfahrung individueller Unterdrückungen Frauen zu einem gemeinsamen Aufbegehren verbindet. Ein berührender und gleichzeitig kämpferischer Roman, der sich nicht davor scheut, Gewalt, Missbrauch, Trauer, sowie weibliche Stärke sichtbar zu machen!
Lilia Holder
Delphine Minoui: Badjens. Aus dem Franz. von Astrid Bührle-Gallet. 140 Seiten, Orlanda Verlag, Leipzig 2025 EUR 21,60
