Stil hat kein Geschlecht!
Wer bestimmt eigentlich, wie ein Körper auszusehen hat? Mit dieser Frage im Gepäck nehmen die leicht zugänglichen Texte, Bilder und alltagsnahen Beispiele junge Leserinnen und Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte gesellschaftlicher Normen und Körperpraktiken. Ob lange Haare, Schmuck oder Kleidung – all das steht im Spannungsfeld zwischen äußeren Erwartungen und individuellem Stil. Mit einer Mischung aus Wissen und Humor macht das Buch deutlich, dass diese Normen nicht selbstverständlich, sondern historisch gewachsen sind. Und es ermutigt so dazu, den eigenen Körper als selbstbestimmten und aktiv gestaltbaren Teil der eigenen Identität zu begreifen. Im Mittelpunkt stehen 13 Modetrends, die heute oft einem bestimmten Geschlecht zugeschrieben werden. Das Buch zeigt jedoch, dass solche Zuordnungen keineswegs naturgegeben sind: Lange Haare galten einst als Zeichen männlicher Stärke, Schuhe mit hohen Absätzen wurden ursprünglich von Männern des Adels getragen, Schmuck wurde als Symbol für Reichtum schon immer und überall auch von Männern getragen, und Rosa war lange Zeit eine typische ‚Bubenfarbe‘, bis gezieltes Marketing sie zur ‚Mädchenfarbe‘ machte. Die historischen Beispiele verdeutlichen, wie sehr sich Mode im Laufe der Zeit verändert und wie willkürlich viele Geschlechterzuordnungen sind. Dabei wirkt das Buch nie belehrend, sondern erweitert spielerisch den Blick. Und am Ende zählt nur eine Sache: dass es eine*m selbst gefällt.
Mathilde Fixl
Émilie Chazerand: Du bist perfekt! Kleines Manifest für das Recht, von Kopf bis Fuß und bis in die Fingerspitzen du selbst zu sein. Illustriert von Alice Dussutour. Aus dem Franz. von Sandra Lattke. 84 Seiten, Orlanda Verlag, Leipzig 2026 EUR 19,60
