Vagina Dentata oder welche Körper wurden aufgefressen?

Ein Comic über den historischen Diskurs um unsere Vagina und Vulva. Wer hat sie definiert? Nach welchen Kriterien? Für wen? Diese Fragen mögen manchen trivial erscheinen, sind aber auch heute noch relevant. Die Lektüre von Vagina Dentata und das Verfolgen mancher aktuellen Debatten und Diskussionen erwecken mitunter den Eindruck, diese Fragen seien nie aufgeworfen worden. Und das ist noch im besten Fall so, denn es scheint auch, als hätten wir als Gesellschaft die Tabus, die Kriminalisierung, die Exotisierung und die sexistische Sichtweise auf unsere Vulven und Vaginas noch nicht überwunden. Katharina Hantke fragt im Vorwort nach dem Mythos der Vagina Dentata: „Woher kommt diese mythische Figur? Gibt es sie wirklich? Welcher Penisträger kam denn auf diese wilde Angstfantasie… oder ist es gar ein Kink?“ Die Antwort auf die Frage nach dem Ursprung genügt, um zu klären, warum (und durch wen) diese verzerrte Konstruktion entstanden ist: Sie wurde von den Kolonialisten der südamerikanischen Kosmogonie geplündert und dazu benutzt, Gewalt, Rassismus und Verstümmelung (auch der weiblichen Lust und weiblichen Begehrens) zu rechtfertigen. Zum Glück wird dieses Erbe zunehmend von Personen mit Vulva und Vagina infrage gestellt, und die Autorin stellt am Ende das Werk verschiedener Künstlerinnen* vor. Darüber hinaus ist Vagina Dentata selbst ein Akt des Widerstands und der Freiheit. Charakteristisch für diesen Comic sind die närrischen, chimärischen und furchtlosen Zeichnungen. Für Leser*innen, die mit diesem Format nicht vertraut sind, mögen sie zunächst eine Herausforderung darstellen, für Fans des Genres sind sie hingegen ein Genuss.
Jenny Olaya-Peickner

Katharina Hantke: Vagina Dentata. Ein Graphic Essay. 128 Seiten, edition assemblage, Münster EUR 24,00