Zwischen Freundinnenschaft & Isolation
Dinah wird verlassen und stürzt in Herzschmerz, der sich nicht ordnen lässt. In schonungsloser Manier erzählt der Roman von Ambivalenzen, einer Zerrissenheit und Impulsivität, die Dinahs Gedanken seit der Trennung von ihrem Freund leiten, vielleicht aber auch grundlegend Teil von ihr sind. Bald hüllt sie sich wie zum Schutz in ein Bärinnenkostüm, widmet sich einem Wutprojekt, macht Liegestütze, nennt sich — in Anlehnung an Susan Sonntag — „Dinah Dienstag“ und begibt sich auf eine Reise nach Sarajevo, um sich besser zu verstehen oder zu dekonstruieren. Gehalten wird die ‚Bärin‘ von ihren Freundinnen und ihren Gesprächen um weibliche Wut und die Unmöglichkeit, gleichgestellte heterosexuelle Beziehungen in einem Patriarchat zu führen. Auf diese liebevollen, bestärkenden und emanzipativen Momente folgen jedoch ernüchternde Phasen, isolierende, manchmal selbstverletzende. In diesen Unterbrechungen versucht die ‚Bärin‘ ihren Herzschmerz mit Betäubungsmittel zu dämpfen. Der Roman liest sich stellenweise wie ein innerer Monolog, in dem man als Lesende die ‚Bärin‘ bei ihren innersten, ungefilterten Gedanken begleitet. Chmeliks Sprache ist von einer einzigartigen Gleichzeitigkeit geprägt: Die ‚Bärin‘ sucht die Nähe zu ihrem Ex, gleichzeitig will sie weit weg von ihm. Sie ist wütend und zeitgleich sehnsuchtsvoll, sucht Halt in Freundinnenschaften, aber isoliert sich im nächsten Moment wieder. Ein Buch, das in die Schmerzen eines Individuums eintaucht, gleichzeitig aber auch von bestärkenden Dialogen zwischen Freundinnen geprägt ist!
Lilia Holder
Daniela Chmelik: Die Bärin. 193 Seiten, Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach/Taunus 2025 EUR 22,70
