Alles ist anders!

Der vierte Roman der österreichischen Autorin und Soziologin Birgit Birnbacher wendet sich wieder einem gesellschaftlich relevanten Thema zu. Es geht um neurodiverse Personen. Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien, als der zehnjährige Oz, der eine ADHS-Diagnose hat, mit einigen Klassenkamerad:innen die Hasen am Schulgelände inspiziert und vergisst, den Käfig wieder zuzusperren. Das hat für den Hasen Flöte fatale Folgen, da er aus dem Käfig entflieht und vom Rasenmäher des Schulwarts tragisch erfasst wird. Ozs Lehrerin Carina interpretiert die Gesamtsituation mit Unverständnis und gibt Oz einen Disziplinarbrief an seine Eltern mit. Die weitere Geschichte entwickelt sich als Road Novel. Ozs gestresste und alleinerziehende Mutter Ann hat weitere Probleme. Ihre krebskranke Mutter, die Zilly-Oma, ist aus dem Spital geflohen und so machen sich Oz und Ann im geliehenen Auto auf den Weg, um sie zu suchen. Leider befindet sich Ann wie meistens am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Die Autorin wechselt per Reißverschlussverfahren immer wieder die Perspektive. Mal aus der Sicht von Ann, dann wieder aus Ozs Blickwinkel wird die Geschichte gespiegelt. Eindrücklich schafft sie es, durch die Brille der beiden im Roman wichtigsten Akteur:innen glaubwürdige innere Monologe zu konstruieren, die bei beiden auf das Krankheitsbild ADHS hinweisen. Ständig fühlen sie sich nervlich überfordert, die komplexe Umwelt zu verstehen und angemessen zu reagieren. Dabei wären sie gleichzeitig so gern unauffällig.
ML

Birgit Birnbacher: Sie wollen uns erzählen. 221 Seiten, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2026 EUR 24,70