Außerhalb von Normen

Zurecht wird dieser Debutroman von Niviaq Korneliussen von der Kritik hoch bejubelt. Fünf junge Leute stolpern darin durch ihr Leben, durch verwirrende Gefühle und alkoholgesättigte Partys in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Den steilen Anfang des Romans macht Fias Zerrissenheit in ihrer Ehe mit Peter, der nichts falsch macht, treu, liebenswürdig und rücksichtsvoll ist. Sie will weg, will raus, egal wohin, sie will „keine Würstchen“ mehr, aber so richtig klar ist sonst nicht viel. Und ihre WG-Kollegin Arnaq betäubt sich mit Alkohol und Sex, schämt sich ihrer unverantwortlichen Aktionen, die sie dann gleich wieder ersäuft. Eine davon bringt Inuk dazu, aus Grönland zu fliehen, er schlägt sich mit Erwachsenwerden, Selbsthass und Homophobie herum. Und das lesbische Paar Ivinnguaq und Sara steht vor einem Scherbenhaufen aus Begehren, Betrug und Identitätsfragen, was schließlich aber Neues ermöglicht.

Alle fünf gehören mit ihren oft unartikulierbaren Wünschen nicht zur Norm, es vereint sie die Suche nach einem persönlichen Zuhause, Lebensmöglichkeiten / von Liebe, sie kommunizieren über Smartphones und Musikvideos, die ebenfalls abgedruckt sind. Erzählerisch wechseln die Perspektiven, unmerklich wird dieselbe Episode plötzlich aus einer anderen Sicht erzählt, reichert sich spannend an, wird schlüssiger, Motive und Nöte nachvollziehbar. Es ist bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit viele große Themen wie Coming out, Sex, sexualisierte Gewalt oder Gender-Transition behandelt werden und einfach so eben zu den Geschichten gehören: Eine Entdeckung! meikel

Niviaq Korneliussen: Nuuk: #ohne Filter. Aus dem Dän. von Giannina Spinty-Mossin und Katja Langmaier.  161 Seiten, Zaglossus, Wien 2016  EUR 14,95

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