Diversität politisch gedacht

Dieser Sammelband beinhaltet viele Antworten für all jene, die berechtigte Sorgen haben, dass Diversität ein profitorientiertes, antifeministisches Konzept sei, das in entpolitisierter Weise aus den USA nach Europa importiert worden sei: So wird in den 13 pointierten, knapp 20-seitigen Texten bekannter Diversitätsforschender im deutschspachigen Raum die häufig fehlende Kategorie „soziale Klasse“ differenziert einbezogen, werden gesellschaftliche Individualisierungs- und Entsolidarisierungstendenzen reflektiert, Bögen zur feministischen Ökonomie geschlagen, BWL-Zeitschriften und IT-Studierende analysiert, Intersektionalität und Queerstudies als „multiparadigmatische Perspektiven“ hinzugedacht. Praxiserfahrungen mit dem Unterricht von Diversität an Hochschulen oder von entsprechenden Trainings werden geteilt und auf Erfolge und Bedingungen dafür abgeklopft. Viele Forschungs- oder Organisationsgrundlagen werden dabei ganz grundsätzlich auf ihre Prämissen und Auswirkungen befragt. Mehr und weniger einigendes Ziel aller Aufsätze ist wohl das Interesse an der Veränderung von Organisationen, Betrieben und Gesellschaft in eine diversitätsgerechte Richtung, die deshalb aber weder Essentialismen reproduziert, noch auf die Realisierung von Utopien warten möchte. So ist es zu einem nützlichen Band mit vielen Anregungen zum Weiterdenken, -forschen und -umsetzen geworden, der auch deshalb gut umfangreicher sein hätte dürfen. meikel

Diversität, Diversifizierung und (Ent)Solidarisierung. Eine Standortbestimmung der Diversitätsforschung im deutschen Sprachraum. Hg. von Edeltraud Hanappi-Egger und Regine Bendl. 317 Seiten, Springer VS, Wiesbaden 2015  EUR 41,11

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