„Doitscha“ ist kein „Deutscher“

Schon in ihrem ersten Roman Titos Brille bewies Adriana Altaras messerscharfe Feder. Auch in Doitscha lebt sie mit zwei Söhnen, David und Sammy, und ihrem Mann Georg, dessen Mutter beim BDM war, in Berlin. In Episoden übernehmen neben Altaras auch ihre Familie, die Therapeutin u.a. wichtige Personen in ihrem Umfeld die Erzählperspektive.
„Ich bin kein Freund von verordneter Trauer. Punktgenau. Zeitgebunden. Handlich.“, sagt Altaras bei der Gedenkfeier des Zentralrats der Juden am 9.11.2011. Altaras ist auch keine Freundin anderer Verordnungen. Das macht alles etwas chaotisch, sehr charmant und außerordentlich witzig. Auch wenn der eine oder andere Witz, das eine oder andere Stereotyp vielleicht zu viel ist, so gibt dieser Roman Einblicke in Leben, die direkt berühren, jedoch kaum wahrgenommen werden (wollen). Nach einer Lesung in Deutschland meinte eine Besucherin, sie hätte Angst gehabt, es würde schwer und traurig werden. Altaras` Witz hätten ihr einen Stein vom Herzen genommen.
Nichts stimmt, wie es im Buch steht, und doch ist alles wahr, sagt Altaras. Irgendwie stimmig und nachvollziehbar. 
Vlatka Frketić

Adriana Altaras: Doitscha. Eine jüdische Mutter packt aus.  Roman. 272 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014  EUR 19,60

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