Pubertierende Jahre

Paul, genannt Polo, ein Pariser Vorstadtjunge, ist vierzehn und geht aufs Gymnasium, er kommt aus armen Verhältnissen, seine Mutter ist seit einem Verkehrsunfall gelähmt und daher häuslich. Sein Vater verdient seinen Lebensunterhalt als Putzarbeiter in öffentlichen Gebäuden, seine Schwester strebt eine Modelkarriere an. Nach der Schule unterstützt Polo seinen Vater bei der Arbeit. Wenn es sich zeitlich ausgeht, liest er dann oberflächlich beim Staubputzen Ausschnitte aus Büchern der öffentlichen Bibliothek und wundert sich. Er geniert sich für allerlei, weil eben Armut nicht das Selbstbewusstsein steigert, wenn man in der Freizeit putzen geht. Die erste Liebe ist kompliziert, weil Sexualität nicht nur Hormone, sondern auch Komplexe zur eigenen Identität produzieren kann, die peinlich sind. Es ist nicht leicht, die eigenen Tagträume umzusetzen, weil ja jeder andere cooler ist, aber dennoch gelingt Polo einiges, zumindest mehr, als er sich jemals gedacht hätte. Die Autorin schafft durch ihre glaubwürdige, humorvolle und manchmal derbe Erzählweise, Polos Leben der Leserin näher zu bringen. Ein realistischer Einblick in das Leben im Banlieue, wo Schein und Sein nicht deckungsgleich sind. ML

Saphia Azzeddine: Mein Vater ist Putzfrau. Roman. Aus dem Französischen von Birgit Leib. 123 Seiten, Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2015 EUR 15,40

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 × 3 =