Eine jüdische Kommunistin aus Wien

Die Wiener Schriftstellerin Claudia Erdheim hat das Leben der Widerstandskämpferin Vilma Steindling (1919-1989) in Zusammenarbeit mit ihrer Tochter Ruth Steindling aufgezeichnet. Ihre Quellen waren zwei von Irene Etzersdorfer und Elisabeth Brainin geführte Interviews Anfang der 1980er Jahre, die Erinnerungen der beiden 1947 und 1950 geborenen Töchter und zusätzliche historische Recherchen.

Vilma Steindling wurde in Wien in eine arme jüdische Familie geboren. Nach dem Tod ihres Vaters, des Magazineurs Leopold Geiringer 1923 und ihrer Mutter Berta 1933 kam Vilma in das jüdische Waisenhaus in der Ruthgasse. Sie wurde Modistin. 1933 trat sie aus der Israelitischen Kultusgemeinde aus, und 1945 dem Kommunistischen Jugendverband bei. Dort lernte sie ihren Lebensgefährten, den Kürschner Arthur Kreindel, kennen. 1937 folgt ihm Vilma nach Paris. 1940 wurde sie mit acht weiteren Frauen von der Parteiführung nach Südfrankreich beordert. Sie wird in der „Mädelarbeit“ eingesetzt, um deutsche Soldaten vom Nationalsozialismus abzubringen. Nach ihrer Verhaftung wurde sie über Drancy nach Auschwitz und später nach Ravensbrück deportiert. Auch Arthur kam nach Auschwitz; er wurde in Dachau ermordet. Nach ihrer Rückkehr ließ sich Vilma in Wien zur Fürsorgerin ausbilden. 1947 heiratet sie Dolly Steindling, 1966 kam es zur Scheidung. Nach der Zerschlagung des Prager Frühlings 1968 trat sie aus der Partei aus. Es ist ein empfehlenswertes, gut geschriebenes und recherchiertes Buch und ein wichtiger Beitrag zur Geschichte und Psychologie der österreichischen Linken. Evelyn Adunka

Ruth Steindling, Claudia Erdheim: Vilma Steindling. Eine jüdische Kommunistin im Widerstand. Mit einem Nachwort von Anton Pelinka. 223 Seiten, Amalthea, Wien 2017 EUR 25,00

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