Entwirren verwobener Machtverhältnisse

Ethnizität und Geschlecht werden im Migrationskontext eng miteinander verknüpft, doch wie kann das „strategische Geflecht“ in der Migrationsforschung entflochten werden? Wie kann Geschlechtergewalt innerhalb migrantischer Gemeinschaften thematisiert werden, ohne das stereotype Bild der Migrantin als hilfloses Opfer und jenes des gewalttätigen patriarchalen Migranten zu verstärken? Wie wird der Diskurs über Sexarbeit und „rassistische Spaltungen“ aus Perspektive einer Migrant*innen-Selbstorganisation analysiert? Wie kann die Dichotomie zwischen sekulär und islamisch geprägten feministischen Denkweisen überwunden werden? Die Beiträge dieses Sammelbands widmen sich genau diesen schwierigen Fragen, auch anhand von Migrationspolitiken und -geschichten sowie Spezifika des ländlichen Raums wie der Unterbringung anerkannter Flüchtlinge, „Türkenliebchen“ und Arbeitsmigration in Tirol. Sie verdeutlichen, wie Migrant*innen in die Geschichte eingeschrieben werden bzw. ihre Handlungsfähigkeit (wieder) erlangen können. Der Sammelband der Österreichischen Zeitschrift für Soziologie basiert auf der Tagung der Forschungsgruppe „Geschlechterverhältnisse der Migrationsgesellschaften“ im Oktober 2014 an der Universität Innsbruck. Die Herausgeber*innen wollen Verbindungen zwischen Migrations- und Geschlechterforschung herstellen und sie auf Synergien und Widersprüche befragen, was ihnen anhand vielschichtiger Fragestellungen ausgezeichnet gelungen ist.

Irene Messinger

Geschlechter­verhältnisse  der Migrations­gesellschaften  – Repräsentationen – Kritik – Differenz.  Hg. von Sabine Gatt,  Kerstin Hazibar,  Verena Sauermann,  Max Preglau und  Michaela Ralser.  162 Seiten, Springer, Wiesbaden 2016 EUR 34,99

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