Fluch und Segen

Catherine Chanter konfrontiert uns mit einem Szenario, das in nicht allzu ferner Zukunft durchaus möglich sein könnte. Seit Wochen und Monaten regnet es nicht mehr über den britischen Inseln, nur über dem Anwesen, das der Protagonistin Ruth Ardingly und ihrem Ehemann Mark gehört und unter dem Namen „Die Quelle“ bekannt ist, gibt es Niederschläge. Doch nicht nur dieser Umstand sorgt für Konfliktstoff: Dem Anwalt Mark wird in London der Besitz von kinderpornographischem Material vorgeworfen – und obwohl sich der Verdacht nie erhärten lässt, bleibt ein gewisser Makel an ihm haften und die Beziehung mit Ruth leidet entsprechend darunter. Der Rückzug aufs Land soll für die beiden einen Neuanfang bringen. Doch das vermeintliche Paradies hat Tücken: Die Nachbarn sind misstrauisch ob des einzigartigen Wasserreichtums und vermuten gar Hexerei. Die Behörden versuchen, Zugriff auf die Quelle zu bekommen, allerlei Heilsuchende belagern das Anwesen. Das Paar schottet sich immer mehr ab, Ruth wird immer rastloser und unzufriedener. Schließlich verfällt sie „Der Rose“, einer religiösen Gruppe, die nur Frauen vorbehalten ist und zu der Männer keinen Zugang haben. Nicht nur ihre Ehe, sondern auch Ruths Enkelsohn wird Opfer dieser Sekte. Ruth wird für seinen Tod verantwortlich gemacht, darf aber weiterhin bei der „Quelle“ leben, allerdings unter Bewachung und vielen Auflagen. Langsam findet sie wieder zu sich selbst und versucht, den wahren Mörder zu finden. Das ist durchaus stimmig und spannend – aber über viele, viele Seiten auch einfach zäh. Elke Koch
Catherine Chanter: Die Quelle. Roman. Aus dem Englischen von Verena Kilchling. 480 Seiten, Fischer/Scherz, Frankfurt/M. 2015 EUR 17,50

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