Frauen­bewegung, Geschichte, Deutsch

„Ein Grund zu feiern, zu erinnern und Geschichte(n) zu erzählen“ untertitelt der opulent gestaltete Band. Kritisch und informativ reflektieren die Beiträge 150 Jahre Frauen(bewegungs)vereine im heutigen Deutschland. Eingeleitet von Überlegungen zum Bruch, den der Nationalsozialismus für die Selbst-Erinnerung von Frauenbewegungen bedeutet, werden zunächst einige Differenzen zwischen dem Ansatz der „Frauengeschichte“ und jenem der „Geschlechterforschung“, zwischen stärker akademischen historiografischen Ambitionen und eher basisorientierten frauenbewegten Forschungszugängen thematisiert. Die Mehrzahl der Beiträge stellt verschiedene historische und gegenwärtige Feminismen vor: proletarische Frauenbewegungen, jüdische Frauenorganisationen, Ansätze transnationaler Bündnisse und ebenso nationale und völkische Aktivistinnen, Geschichten des radikalen Flügels der („ersten“) deutschen Frauenbewegung, die Politiken feministischer Theologie, Initiativen im Umbruch der DDR 1989 und das bewegte Verhältnis zu Männern in den verschiedenen Bewegungskonstellationen.

Wie jedes Heft des „Ariadne“-Forums präsentiert auch dieses neben den inhaltlich anspruchsvollen, dabei um Leserlichkeit bemühten Analysen eine Fülle an historischen Dokumenten. Vielfältiges Quellenmaterial – darunter eine Vereinsmitgliedskarte von 1865 oder politische Buttons aus den 1970er Jahren – macht den Band zu einer insgesamt wunderbar sinnlichen Publikation. Etwas mehr zu Kolonialismus- und Rassismuskritik, auch einige weitere intersektionelle Perspektiven hätte es in diesem Rückblick allerdings durchaus geben können.   Hanna Hacker

Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung seit 150 Jahren.  Hg. von Laura Schibbe, Susanne Schötz und Kerstin Wolff. Ariadne Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte. Heft 67-68.  175 Seiten,  Kassel 2015 EUR 23,00

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