Generationenrituale

Franziska und ihre Mutter Elisabeth sind die Hauptfiguren in Gertraud Klemms neuem Roman. Jedes Kapitel beginnt mit einer Einladungskarte zu einem familiären oder beruflichen Event. Schon dieser Kunstgriff signalisiert, wie gleichförmig das Leben von Höhe- und Tiefpunkten verläuft. Der treibende Faktor sind die inneren Monologe dieser beiden Figuren. Sie offenbaren in ihrer Unvollkommenheit, dass das Leben, auch wenn es äußerlich nicht spektakulär verläuft, immer wieder von aufbegehrenden Momenten gegenüber patriarchalen Vorgaben durchkreuzt wird. Die Auswirkungen dieser Reflexionen sind jedoch auf der äußeren Erscheinungsoberfläche nicht immer sichtbar. Das Interessante ist, dass zwar der Feminismus von Generation zu Generation die Frauen weiterentwickelt hat, sie jedoch gesellschaftlich immer noch an den selben Mustern scheitern. Die Autorin entwickelt klare Vorstellungen, es ist nicht wichtig wie es scheint, sondern wie es sich tatsächlich anfühlt. In einer lebendigen Sprache wird den Leserinnen vermittelt, dass patriarchale Machtverhältnisse in den genderorientierten Rollenmustern weiterhin manifest eingeschrieben sind und nicht leicht historisch abänderbar sind. ML
Gertraud Klemm: Aberland. Roman. 184 Seiten, Literaturverlag Droschl, Graz-Wien 2015 
EUR 19,00

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