Geschichten von Kindern

Monika Helfer wurde von ubuntu, der Kulturinitiative der SOS-Kinderdörfer, eingeladen über Facetten des Kindseins zu schreiben. So sind, basierend auf ihren Beobachtungen in einem SOS-Kinderdorf und einer Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, kleine Geschichten entstanden, Miniaturen des Alltags, die mit Gespür für Zwischentöne und ganz ohne Pathos von Kindern erzählen, denen es fast immer nicht gut geht. Zum Glück kann sich Andrea nicht darin erinnern, dass ihre Eltern sie als Baby ins Kinderdorf brachten, weil sie sie nicht haben wollten. Zum Glück hat der Junge aus Damaskus kaum Hunger, denn beim Essen kommen die Erinnerungen und die verderben den Appetit. Wird das Kind, dessen Mutter in der Psychiatrie lebt, je begreifen, dass ihm die Mutter nichts mehr antun kann? Wird Casim, dessen Vater erschossen wurde und der aus Afghanistan geflohen ist, eine Frau finden, für die er kochen kann? Wird Samantha, die von ihrem Stiefvater geschlagen wurde, jemals ihren Traum verwirklichen, „in eine Wohnung zu ziehen, wo es im Winter warm ist, der Kühlschrank voll, das Bett weich und Vorhänge an den Fenstern sind, damit uns niemand unser Leben wegnehmen kann“? Dass ein Unglück geschehen könnte, denken diese Kinder oft genug. Aber könnte nicht auch einmal ein Wunder geschehen? So, wie in der Geschichte, in der ein Säugling am 24. Dezember im Gepäcknetz eines Zuges von Wien nach Bregenz gefunden wird. Alle sind gerührt und sammeln Geld. Alle wollen, dass es gut ausgeht. „Also ging es diesmal gut aus.“ Die Leser*in ist geneigt, die Hoffnung nicht aufzugeben und an ein gutes Ende zu glauben. vab 

Monika Helfer: Diesmal geht es gut aus. Geschichten. Mit Zeichnungen von Lorenz Helfer. 211 Seiten, Haymon, Innsbruck-Wien 2014 UR 19,90

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