Gib dem Affen in dir Zucker!

Im verrückten Trashroman von Präauer lebt Jim alias „Schimmi“ Schamlos mit seiner Mutter, einer ehemaligen Teen Rodeo, im 17. Stock eines Hochhauses. Nach einem Unfall beeinträchtigt, wird der vaterlos Aufgewachsene recht rigoros von Mutter und Haushälterin überwacht. So wie der Narr immer sagen kann, was er will, nimmt sich auch der Schimmi keine Schickibanane – so er an die verbotene Süße kommt – vor den Mund. Aus dem Apartment kommt er ja nicht oft raus. Aber durch sein Fernrohr, im Internet oder TV begafft er unheimlich gerne Tiere. Und Mädchen aller Haarfarben. Lieber jedoch letzteres und am allerliebsten die Ninni vom Nagelstudio. Zufällig lebt sie auch in Fernrohrweite von Schimmi. Wo vorher die Zindi vermeintliches Objekt seiner unbändigen Lust war, gilt es nun die Ninni mit Affenfell zu erobern. Die Autorin und bildende Künstlerin Teresa Präauer liebt Verkleidungen durch Sprache. Jede Frau kann sich das Schimmi-Kostüm anziehen und den Macker mimen, findet sie. Der performativ-ironisch geschriebene Roman über einen jungen Mann, der sich in den Affen imaginiert, fällt durch seine besondere rhythmische Sprache auf. Präauers Wunsch: den LeserInnen von „Oh Schimmi“ soll das Affenfell auf den Beinen und Armen sprießen. Saskya Rudigier

Teresa Präauer: Oh Schimmi. 204 Seiten, Wallstein, Göttingen 2016 EUR 20,50

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