Instrument zur Selbstoptimierung?

Die Autorin geht der Frage nach, warum Mentoring Programme gerade im 21. Jahrhundert in so großer Zahl begründet wurden und sich zu einem integralen Bestandteil gleichstellungspolitischer Programmatik entwickeln konnten. Theoretische Verortungen findet sie in Konzepten der Risikogesellschaft, der individualisierten Gesellschaft und der Wissensgesellschaft. In ihrer diskursanalytischen Untersuchung identifiziert sie Themenstränge wie Unsicherheit, Abbau von Ängsten, die Suche nach Orientierung und Entscheidungshilfen, alles Merkmale für spätmoderne, individualisierte (Erwerbs-)Gesellschaften. Sie spricht davon, dass sich Mentees und Mentor_innen in der Risikogesellschaft als Planungsbüros für den eigenen Lebenslauf und als Teil der Multi-Optionsgesellschaft verortet haben. Die Verwertbarkeit eines Studiums auf dem Arbeitsmarkt, Karriere und Lebensplanung werden ebenso als Themen identifiziert wie klassische Rollenzuschreibungen. Die Teilnahme am Mentoring Programm sieht sie nicht zuletzt als eine Auseinandersetzung mit stereotypen Rollenbildern durch Vorbilder und Rollenmodelle. Eine institutionalisierte Entwicklung von Genderkompetenz im Rahmen von Mentoring wird angeregt. Insgesamt kommt sie zu dem Schluss, dass Mentoring als antizipatorische, intergenerationelle, erfahrungsgeleitete, informelle Kooperation und Lernform gefasst werden kann und eine zeitgemäße Bereicherung der Bildungslandschaft darstellt. Offen geblieben ist für mich die Frage, inwieweit das stark individualisierende Mentoring Strukturmängel überdeckt und inwieweit dieses Format zur Strukturveränderung an Hochschulen beiträgt. 
 Sabine Steinbacher

Marion Magg-Schwarzbäcker: Mentoring für Frauen an Hochschulen. Die Organisation informellen Wissenstransfers. 227 Seiten, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2014 EUR 41,20

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

6 − vier =