Intergenerationelle Geschichte(n)

Anna und Rosa, zwei Frauen aus Südtirol, haben einiges gemeinsam. Sie waren Alleinerzieherinnen, kamen aus ärmlichen Verhältnissen und haben sich 1939/40 im Zuge der sogenannten „Südtirol-Option“ für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. 1952 kehrten sie nach Südtirol zurück. Anna und Rosa sind die beiden Großmütter der Wiener Historikerin Elisabeth Malleier, die in ihrem Buch „Rabenmutterland“ die intergenerationelle Geschichte ihrer Familie rekonstruiert und den LeserInnen einen höchst interessanten Einblick in Alltagsgeschichte(n), aber auch größere historische Zusammenhänge bietet. Wir erfahren über die Vererbung von Armut, Kindheit im Krieg bzw. in der Nachkriegszeit und starke Frauen, die unter schwierigsten Umständen für sich selbst und ihre Kinder sorgen.

Malleier hat für ihr Buch intensive Recherchen betrieben – im Umkreis ihrer Familie und in Archiven. Was das Buch so besonders macht: Die Autorin erzählt die Geschichte(n) abwechselnd mit dem Fokus auf unterschiedliche Familienmitglieder, angefangen von ihren Urgroßeltern bis zu ihrer eigenen Perspektive. Dazu montiert sie weitere Texte, die diese Rekonstruktionen/Erzählungen anreichern: historiografische Kontextualisierungen (z. B. zur „Option“ oder zum NS-Fürsorgesystem), eigene autobiografische Texte sowie literarische Passagen, etwa von Ingeborg Bachmann. Elisabeth Malleier ist ein kompaktes, fundiertes, schön erzähltes und ungemein facettenreiches Buch gelungen! Fazit: großartig, absolut lesenswert! Helene Breitenfellner

Elisabeth Malleier: Rabenmutterland. Mit einem Vorwort von Martha Verdorfer. 158 Seiten, Edizioni Alphabeta Verlag/Drava Verlag, Meran/Klagenfurt Celovec 2016 EUR 14,00

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