kaffee und kuchen verachten

Marie Rotkopf zerlegt obszön und direkt diese ganzen schönen Figuren, auf die Mann sich in der Kunstwelt geeinigt hat, Simone de Beauvoir, Christoph Schlingensief, Werner Herzog, Bourdieu, Foucault, Derrida, Baudrillard, Duchamp – mit einem Schlag ist Mann sich nicht mehr sicher, auf wieviel Halbwissen Mann selbst zurückgreift bei vielen dieser Figuren und Ideen. Oder wie lang es her ist, dass Mann selbst überprüft hat, was einen daran anspricht. Sie geht also mit ihrer Machete durch und hackt vor einem alles klein, was sich verdächtig macht, von romantischem Unterton getragen zu werden. Deutschland, Merkel und die Flüchtlinge, Obama, EU, Feminismus, Kunst, Kuchen, Liebe… Das macht Spaß und entzückt, aber schreckt auch ab und schüchtert ein und am Ende weiß ich nicht, ob Mann eher abgeschreckt oder eingeladen ist, sich mit den verhandelten Themen auseinanderzusetzen. Und manchmal muss Mann ob des brutalen Obertons die Lektüre weglegen und ein bisschen leiden. Aber beeindruckt bleibt Mann jedenfalls zurück vor so einem kleinen Büchlein komprimierten Wissens, Poetik, Humor und Wut zu Feminismus, Politik, Erinnerungskultur, Sex, Kunst, und Kulturtheorie.

Cäcilia Brown

Marie Rotkopf: Antiromantisches Manifest. Eine poetische Lösung. 142 Seiten, Edition Nautilus, Hamburg 2017 EUR 15,40

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