Kolonien, Wald und Männer

Annie Proulx, bekannt als Autorin von Brokeback Mountain, liefert hier ein Buch über die Kolonialisierung von Canada und die Abholzung von Wäldern, die einmal unendlich schienen. Sie erzählt die Geschichte zweier junger Franzosen, die sich in Nouvelle France als Holzschläger anwerben lassen, um nach einigen Jahren der de fakto Leibeigenschaft eigenen Grund und Boden zu erhalten. Sie schlagen unterschiedliche Wege ein, auch im Verhältnis zu den UreinwohnerInnen. Das Verständnis für die ökologischen Folgen der Massenschlägerungen ist in den ersten Generationen der SiedlerInnen nicht vorhanden. Erst langsam wächst die Idee der Aufforstung und Waldpflege heran, die Wurzel der Nachhaltigkeitslehre – wenn man nicht in der Gegenwart darauf achtet, die natürlichen Ressourcen zu erhalten, werden zukünftige Generationen nichts mehr davon haben. Die Mi`kmaq und andere Stämme hingegen verlieren so oder so ihre traditionelle Lebens-weise des Jagens und Sammelns, des Lebens vom Wald, der zusehends vermessen und an Siedler verkauft wird. Die Frauen der Siedler spielen in Annie Proulxs Roman nur eine sehr untergeordnete Rolle, erst in der letzten Generation schalten sie sich in die Holzgeschäfte ein. Der Roman hantelt sich in atemberaubenden Tempo durch die Jahrzehnte und zeigt auf, wie lange Zeit alles in den Grundzügen gleichblieb, sei es der Umgang mit der Natur oder die Geschlechterverhältnisse oder die kolonialen Herrschaftsstrukturen.

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Annie Proulx: Aus hartem Holz. Aus dem amerik. Engl. von Andrea Stumpf und Melanie Walz. 894 Seiten, Luchterhand, München 2017 EUR 26,80

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