Kurze Seelenverwandtschaft

Zum 100sten Geburtstag von Carson McCullers wurde dieser Band neu aufgelegt. Gespiegelt wird darin die interessante aber hoffnungslose Beziehung zweier außergewöhnlicher Frauen: Die schweizerische abenteuerlustige Schwarzenbach und die zarte kränkliche amerikanische Autorin McCullers. Kurz bevor sie einander kennenlernten, hatte McCullers mit ihrem ersten Roman „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ einen großen Erfolg gelandet.

Lavizzari entwickelt die beiden Biografien, indem sie hervorstreicht, wie unglücklich beide Zeit ihres Lebens waren. Sie hatten nur zwei Jahre, um ihre Freundinnenschaft pflegen können, die vor allem aus einem intensiven Briefwechsel bestand. Es war eine unvollendete gefühlvolle, platonische Liebe zwischen ihnen. Schwarzenbachs durch einen Fahrradunfall verursachter früher Tod machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Vieles in dem biografischen Roman bleibt Vermutung. Es gab Gemeinsamkeiten: das leidenschaftliche frühe Klavierspielen, die Infragestellung von eindeutigen Identitäten, der antifaschistische politische Blick und selbstverständlich für beide das Schreiben, das sie immer wieder an ihren Produkten zweifeln lässt und für Depressionen Tür und Tor öffnet. Als Appetizer für nicht Eingeweihte, um sich den beiden anzunähern, eine Möglichkeit! Antonia Laudon

Alexandra Lavizzari: Fast eine Liebe – Carson McCullers und Annemarie Schwarzenbach.138 Seiten, ebersbach & simon, Berlin 2017 EUR 17,80

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