Psychologische Karriereanalysen

Mittlerweile vielfach untersuchte Fragen nach Hintergründen und Lösungsmöglichkeiten von vertikal und horizontal segregierten Arbeitsmärkten werden in diesem Buch aus strikt sozialpsychologischer Perspektive beleuchtet. Ausführlich werden US-amerikanische Forschungen über Geschlechterstereotype, ihre Entstehung, Wirkung und Veränderlichkeit einigermaßen universalistisch dargestellt, soziale Rollen und Hierarchien hinsichtlich ihres Beitrags dazu berücksichtigt, um zu erklären, wie gesellschaftlicher Wandel (nicht) passiert. Ein Gutteil des Buches fußt auf der englischsprachigen Dissertation von Irena D. Ebert (abgeschlossen bei der Co-Autorin Melanie C. Steffens) und weiteren gemeinsamen Forschungsprojekten, im Buch bleiben deutschsprachige oder Gender-Forschungen aus anderen Feldern großräumig außen vor – und damit auch weitere Perspektiven. Eigenartigerweise findet geschlechtsspezifische (sexualisierte) Gewalt (-androhung) in den zahlreichen differenzierten Erklärungsversuchen zum Weiterwirken von Geschlechterhierarchien und als berufliches Hindernis keine Berücksichtigung, was wie ein blinder Fleck wirkt. Wesentlich ist es den Autorinnen, strukturelle Bedingungen zu betonen und sie schlagen zahlreiche (teils bekannte) Maßnahmen vor, wie Frauen Gerechtigkeit erfahren könnten, ohne dass alle Verantwortung zu ihnen verlagert wird. In Gehaltsverhandlungen aber für „mehr Geld für die Familie“ statt für die Honorierung der eigenen Leistung zu kämpfen, um nicht mit Geschlechterrollenerwartungen als Frau zu kollidieren, erscheint bei aller Strategie denn doch hinterfragbar. meikel

Melanie C. Steffens, Irena D. Ebert: Frauen – Männer – Karrieren. Eine sozialpsychologische Perspektive auf Frauen in männlich geprägten Arbeitskontexten. 207 Seiten, Springer, Wiesbaden 2016  EUR 30,83

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