Verschlagwortet: Psychoanalyse
Kommt eine nichtbinäre Person zur Psychoanalyse … das ist kein Witz … passiert aber in der Realität eher selten, berichtet die in Berlin praktizierende Psychotherapeutin Susanne Schade anhand eines ihrer Fallbeispiele, weil: die klassische Psychoanalyse, normativ heterosexuell, bietet für diese Person keinen „safe space“. Dies muss – so die Intention...
Sieglinde Eva Tömmel untersucht weibliche Entwicklung, gesellschaftliche Prägung und unbewusste Herrschaftsstrukturen. Ausgehend von Bourdieus Studie zur männlichen Herrschaft bei den Kabylen im südlichen Algerien beschreibt sie die Situation von Frauen in verschiedenen kulturellen Kontexten. Seelische Verletzungen erscheinen als Folgen direkter und indirekter Herrschaft. Anregend ist Tömmels interdisziplinärer Zugang: Psychologie, Pädagogik,...
Die (Selbst-)Bildnisse der mexikanischen Malerin María Izquierdo gehen durch und durch. „Traum und Vorahnung” von 1947 ist ein surrealistisches Selbstporträt: Zu sehen ist Izquierdo, wie sie ihren eigenen abgetrennten Kopf aus einem Fenster hält. Das lange Haar ist in kahle Äste und Wurzeln einer kargen Landschaft verstrickt. Ausdruck der Isolation...
Marie Langers Erinnerungen sind Zeugnis eines aufregenden, intensiven, emanzipierten Lebens, eingebettet in die einschneidendsten politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Die deutsche Übersetzung ihrer Memoiren ist schnell verschlungen – packend und berührend zugleich erzählt sie über ihre Jugend in den 20er Jahren in Wien, ihre frühe Politisierung und Militanz in der...
Kulturwissenschaftlerin und Psychologin Anna-Myrte Palatini und Historiker, Soziologe und Philosoph Sebastian Bischoff spannen in ihrer lesenswerten „historisch-politischen Einführung“ zur Geschichtlichkeit der sexuellen Revolutionen und zum Zusammenhang von Sexualität und Kapitalismus den Bogen von „Inseln sexueller Liberalisierung vor 1880“ (Fourier) über die erste sexuelle Revolution um 1900 (Freud, Reich, Kollontai) zur...
Cynthia Fleury, Psychoanalytikerin und Philosophin, schreibt nach ihrem letzten Buch über Ressentiments nun eines zur „Klinik (also Heilstätte) der Würde“. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, wie es in der Erklärung der Menschenrechte der UNO 1948 heißt. Der Begriff der Würde habe sich einerseits genauso...
Der aktuelle Diskurs um die Infragestellung und ‚Verflüssigung’ von bisher (biologisch) geglaubten, feststehenden Geschlechtergewissheiten stellt eine große Herausforderung für die Psychoanalyse dar. Freuds ursprüngliches Konzept der Bisexualität war seiner Zeit damals weit voraus und schien lange vergessen. Nun rückt es wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit und wird durch konkrete PatientInnen,...
Wie sehr Einstellungen und gesellschaftliche Bilder über Generationen hinweg tradiert werden, zeigt die Autorin dieses Buches anhand des Beispiels des Frauen-/Mutterbildes vom Nationalsozialismus bis heute. Theoretisch stark an psychoanalytische Konzepte von Schuld, Scham, Schweigen und Trauma angelehnt, erforscht sie anhand von generationenhomogenen, vorwiegend aus Nachkommen von Täter*innen bestehenden Gruppendiskussionen latente...
Zusammengetragene 20 Jahre Schreib- und Forschungsarbeit der praktizierenden wie lehrenden Psychoanalytikerin, inklusive Filmanalysen zum Thema Vergänglichkeit und Unsterblichkeitswunsch – das führt zu Überschneidungen und leider sind die Beiträge nicht datiert… Eine psychoanalytische Ausbildung braucht die Leserin nicht für die Lektüre, ein bisschen Vorwissen schon. Interessant ist ihre zentrale These vom...
Die Schriftstellerin, Schauspielerin und Religionswissenschaftlerin Susan Taubes (1928–1969) kam 1939 nach der Scheidung ihrer Eltern mit ihrem Vater, dem ungarischen Psychoanalytiker Sandor S. Feldman, in die USA. 1949 heiratete sie den später in Deutschland einflussreichen Philosophen und Rabbiner Jacob Taubes, dessen Vater Zwi Taubes als Rabbiner in Wien und Zürich amtiert...