Sehnsucht nach mehr

Laura Penny formuliert ihre feministischen Anliegen in mehreren oft sehr kurzweiligen Essays, die sich um die Trias Gender, Race and Class bewegen. Mit einer Menge Rotz werden Themen wie Trump, Wähler_innenverhalten, Fremdenhass, die ökonomische Krise, Mädchen (Frau) sein und persönliche Schicksalsschläge und misogyne Anfeindungen seitens der Leser_innenschaft abgehandelt. Dabei nimmt sich Laurie Penny kein Blatt vor den Mund. Dass dieses eine schwere Gratwanderung ist, liegt vielleicht in der Beschaffenheit des Mediums selbst. Die Essays sind doch größtenteils Blogger_inneneinträgen entnommen, wo persönliche Befindlichkeiten und Schnellschuss-Argumentationen erwünscht sind. „Bitch Doktrin“ liest sich deshalb wie eine Einführung in Gender und Critical Whiteness Studies zugleich – ohne jedoch allzu sehr in die Tiefe zu gehen. So behandelt sie das Thema Sexarbeit mit einer starken Kritik des Arbeitsbegriffes selbst, macht sich Gedanken über die neueste Barbie-Kollektion, kritisiert Frauen, die viel Wert auf ihr Äußeres legen, um ihnen dann doch einen Platz in der feministischen Revolution einzuräumen, und findet Russel Brand sexy, wenn auch chauvinistisch. Die Artikel lesen sich flüssig und witzig und man benötigt kein großes Expert_innen-Wissen, um die Inhalte zu verstehen. Jedoch wird man beim Lesen das Gefühl nicht los, dass es sich bei dem Zielpublikum um ein jüngeres handelt.

Nicole Szolga

Laurie Penny: Bitch Doktrin. Gender, Macht und Sehnsucht. Aus dem Engl. von Anne Emmert. 318 Seiten, Edition Nautilus, Hamburg 2017 EUR 18,60

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