Sprachlosigkeit in der Abtreibungsdebatte

Wie werden Abtreibung und Gesetze zu deren Regelung gegenwärtig in Deutschland verhandelt? Welche historischen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen liegen der Sprachlosigkeit zugrunde, die sowohl gesamtgesellschaftlich als auch in feministischen Debatten in Bezug auf Abtreibung zu herrschen scheint? Diese und mehr Fragen behandelt der in der Reihe geschlechterdschungel erschienene Band von Katja Krolzik-Matthei. Die zur Veröffentlichung überarbeitete Masterarbeit bietet zunächst einen historischen Abriss zum Diskurs über Abtreibung und zu den feministischen Kämpfen gegen den §218. Dieser erste Teil tönt eher theoretisch-akademisch, was die Autorin jedoch bereits im Vorwort ankündigt. Daran anschließend folgt, basierend auf acht Interviews mit Frauen aus unterschiedlichen feministischen Kontexten, eine Analyse des gegenwärtigen Stands der Abtreibungsdebatte. Die Autorin stellt hier ein ausgeprägtes Schweigen zum Thema fest und legt sowohl individuelle, gesellschaftliche als auch politische Gründe für die derzeitige Nicht-Thematisierung von Abtreibung dar. Das Buch liefert eine anregende Grundlage für die Reflektion der eigenen feministischen Praxis und erinnert daran, dass Abtreibung und andere Frauenrechte keineswegs selbstverständlich waren/sind, sondern Ergebnis (andauernder) feministischer Kämpfe. Rebecca Strobl

Katja Krolzik-Matthei: §218. Feministische Perspektiven auf die Abtreibungsdebatte in Deutschland. 80 Seiten, unrast transparent, Münster 2015 EUR 8,10

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