Spuren ihres Wesens

So vieles wurde bereits über die Rote Armee Fraktion geschrieben, über Meinhof, Ensslin, Baader. Doch Ingeborg Gleichauf schafft es, sich Gudrun Ensslin auf eine andere Art und Weise zu nähern. Anhand von Büchern, die Ensslin gelesen, Briefen, Postkarten, Texten, die sie geschrieben hat, versucht Gleichauf die Persönlichkeit Ensslins zu entschlüsseln. Diese Biografie bewegt sich abseits von normativen Zuschreibungen Gudrun Ensslins, wie beispielsweiße die Geliebte Andreas Baaders oder Pfarrerstochter. Die Autorin räumt mit ungenauen Quellenlagen von RAF Biograf_innen auf, welche zu den gängigen stereotypen Konstruktionen über Gudrun Ensslin geführt haben und reflektiert ihren eigenen Umgang während des biografischen Schreibprozesses mit recherchierten Quellen und den eigenen Vermutungen über die Person Ensslin. So wird deutlich, dass die Arbeit einer Biografin sich immer wieder auf einer Gratwanderung zwischen dokumentarischer und fiktiver Auslegung eines Lebens bewegt, beeinflusst von der eigenen Situiertheit. jaw

Ingeborg Gleichauf: Poesie und Gewalt: Das Leben der Gudrun Ensslin. 350 Seiten, Klett-Cotta, Regensburg 2017 EUR 22,00

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