Sturm auf Papay

Eine junge Frau um die 30 kämpft mit dem Großstadtleben in London und gegen ihre Alkoholsucht. Aufgewachsen auf den entlegenen Orkneyinseln kam sie, kaum erwachsen geworden, nach London, wo sie sich das „richtige“ Leben erwartete. Zwischen allerlei Jobs gibt es Partys, Partys, Partys, Wochenenden voller ausschweifender Feste. Ständig auf der Suche nach dem Extatischen. Bald ist klar, dass sie längst eine Grenze überschritten hat. Die Grenze, an der sie die Kontrolle über ihr Leben abgegeben hat. Schonungslos beschreibt die Britin Amy Liptrot den Absturz ihrer autobiografisch inspirierten Protagonistin. Viel Hilfe von außen gibt es nicht, doch Amy hat Glück und bekommt einen ambulanten Therapieplatz. Trocken geworden fährt sie ihre Mutter auf Orkney besuchen und bleibt mangels Alternativen, jobbt für eine Vogelschutzorganisation, denkt viel über diese isolierte Lebenswelt nach. Sie verbringt viel Zeit in der rauen Natur, die sie von Kind an kennt. Der weite Himmel, das Meer, Stürme, Wind und Wetter. Die stärksten Stellen des Buchs nehmen eine mit in diese einzigartige Umgebung, die Amy heilen lässt und die eine Art von Ruhe ausstrahlt, nach der eine sich möglicherweise selbst sehnt, auch wenn die Leserin ahnt, dass sie nicht einen Winter lang allein in einem winzigen Häuschen auf einer 70-Seelen-Insel am Rande des Atlantiks durchhalten würde. Amy Liptrot war mit ihrem Buch, das Roman, Autobiografie und Reisehandbuch in einem ist, wochenlang auf den britischen Bestsellerlisten. Sehr zu Recht. Außergewöhnlich und sehr empfehlenswert!

ESt

Amy Liptrot: Nachtlichter. Aus dem Engl. von Bettina Münch. 348 Seiten, btb, München 2017 EUR 18,50

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