Vom Zuhause eines Satzes rennen

In diesem schmalen Gedichtband, der haptisch an gelbe Reclam-Hefte erinnert, aber violett im Umband und ebenso leicht einzustecken ist, sind es die Beobachtungen am Rande des Vorbeigehens, die eine beim Lesen auf der Stelle inne halten lassen. Hier ist eine in Lyrik aufgebrochen, hat sich aufgemacht, ist an sich zurückgekehrt, ist gegangen, in sich gegangen, hat außen geschaut oder ist an einen bestimmten Ort gelangt, um diesen zu beschreiben. Oder sie betrachtet doch den anderen Ort. Es sind Miniaturen des genau Beobachteten und des Ausdrucks konkret einleuchtender Stimmungsbilder angesichts von unbestimmten Verhältnissen. Es sind Gedichte vom Verlassen, von Freiheitssuche, Reisen, Geschwindigkeit, Rückblick, Stillstand und ja, am Schluss eine Schleuse. Die Autorin ist doppelsprachig im Deutschen und Englischen versiert, Übersetzerin und im angloamerikanischen, aber auch wieder im deutschen Sprachraum angekommene und prämierte Lyrikerin. Die Metaphorik von Monika Zobel wirkt durchaus vieldeutig Bilder schaffend und immer ist da dieses Weggehen und Ankommen, das es in Ruhe zu lesen lohnt. Doris Hauberger
Monika Zobel: Das Innenfutter der Wörter. 84 Seiten, edition keiper, Graz 2015 EUR 15,40

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

achtzehn + drei =