Von der Lebens- zur Lesekrise

Die Sprache soll wohl so lakonisch klingen, wie sich die Hauptprotagonistin Bente fühlt. Diese ist aus ihrem Leben und ihrer Ehe spontan ausgebrochen und strandet eines Tages bei einem jungen Paar, Putte und John, irgendwo an einer dänischen Küste im provinziellen Niemandsland. Dort wie auch im Roman wird nicht viel gefragt oder gesprochen, es geht häufig der Wind, die Hunde werden rausgelassen, Lottoscheine ausgefüllt, der Ofen mit Briketts eingeheizt. Am Schluss werden dann noch Elemente der Geschichten der jeweiligen Figuren rasch aufgeklärt, es ergibt dieses und jenes einen Zusammenhang, Perspektiven verschieben sich auf interessante Weise – wer braucht schließlich wen? Autounfälle verändern das Leben, Menschen sind empfindsame Wesen, der Himmel ist blau – in unzähligen Hauptsätzen geht es so dahin, was der minimalistischen Unaufgeregtheit des Inhalts entspricht. Der am Cover angekündigte Humor in diesem Büchlein der dänischen Bestsellerautorin Helle Helle blieb für mich dabei allerdings unauffindbar. mel
Helle Helle: Färseninsel. Aus dem Dänischen von Flora Fink. 223 Seiten, Dörlemann, Zürich 2015  EUR 20,50

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