Wanderung ins Weiß

Der Einband grau schimmernd, die Klappen tief blau und die Seiten dick weiß; das Debüt von Maren Kames ist so geschmackvoll wie nur irgend möglich arrangiert. Die Autorin wurde 1984 geboren, hat Literarisches Schreiben in Hildesheim studiert und gewann 2013 den 21. Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin. Bei „halb taube halb pfau“ folgen lyrische Bruchstücke auf knappe Konversation auf leere Seiten. Gegen Mitte ist das Buch mal dichter mit Text befüllt. Franst jedoch sogleich wieder ins abenteuerliche weiße Nichts einer unbekannten Landschaft aus. Mal kryptischer, mal konkreter erfolgt in der Lektüre eine Wanderung durch eine eben solche Landschaft. Die QR-Codes, als gleichberechtigter Text im Textarrangement, verlinken auf Klangdateien. Dort geht mal die Wanderung weiter, mal schweift sie ab ins rein musikalische. Mehr lose also als notwendig ist die Verbindung der einzelnen Wanderungs-Etappen miteinander. Das tut der Wanderlust aber keinen Abbruch. Der Gesamt-Komplex aus haptischer Erfahrung, klanglicher Suggestion und melancholischer Sprache entwickelt soghafte Wirkung. Kames und der Secession Verlag überschreiten das Medium Buch in Richtung Gesamtkunstwerk. Theresa Luise Gindlstrasser

Maren Kames: halb taube halb pfau. 150 Seiten, Secession, Zürich 2016 EUR 35,00

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