Wegbegleitung für die Trauer

Behutsam begleiten die Autorin Inga Elisabeth Ohlsen und ihre Mutter die Lesenden durch die Seiten dieses Gedichtbandes und durch Zeiten der Trauer. Die studierte Politologin, Slawistin und Heilpraktikerin beschreibt hier Gefühle und Wahrnehmungen nach dem Tod ihrer Tochter und den langsamen Wandel der Trauer. Es ist eine plastische und lebensbejahende Sprache, deren Grundtenor die menschliche Verletzlichkeit und Zuversicht ist. Die Texte erschließen den inneren Dialograum der Autorin, bisweilen sind es Zwiegespräche mit dem verstorbenen Kind, dann wieder richten sie sich an Außenstehende: „Was ich von dir brauche – Bitten an meine Familie und Freude“. Sie erzeugen so Nähe bei gleichzeitigem Respekt vor der jeweiligen Geisteshaltung der Lesenden.

Abbildungen von Tonfiguren, mitten in die Natur gestellt, wirken auflockernd und manchmal auch etwas befremdlich. Sie stammen von Andrea Ohlsen, der trauernden Großmutter des Kindes. Das vorliegende Werk ist ein sehr persönlicher Brückenschlag zweier Frauen und thematisiert offen das Tabu Verlust und Trauer. Schon der Titel ist sprachlich eher einer Frau zuzuschreiben: „Wie ich dich fühle“. Im Text heißt es: „Dein Tod riss ein Loch in mein Lebensnetz … Hier bin ich im Auftrag der Liebe allein: Liebe zu geben, Liebe zu leben, Liebe zu sein.“

Karin Oberegelsbacher

Inga Elisabeth Ohlsen: Wie ich dich fühle. Gedichte für Trauernde. Mit Skulpturen von Andrea Ohlsen. 88 Seiten, Edition Riedenburg, Salzburg 2016 EUR 17,90

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

10 − 4 =