Welches Leben leben wir?

Der dritte Roman der erfolgreichen Autorin handelt vom gedanklichen Austausch zweier Freundinnen aus Kindheitstagen, deren Leben sich geografisch und inhaltlich auseinandergelebt hat. Dennoch verbindet sie weiterhin eine innige Freundschaft miteinander, indem sie sich täglich sehr persönlich aus ihrem Leben berichten und der anderen mit Ratschlägen zur Seite stehen und immer wieder auch Kindheitserinnerungen aufleben lassen. Johanna ist eine alleinstehende Lehrerin im Schwarzwald, schreibt an einer Dissertation über Annette von Droste Hülshoff, hat eine Krebserkrankung hinter sich und ist dabei, ihre letzte Liebesgeschichte zu verdauen und sich langsam für eine neue zu entscheiden. Márta ist Lyrikerin und Schriftstellerin, lebt in bescheidenen ökonomischen Verhältnissen mit Mann und drei Kleinkindern in Frankfurt und flüchtet vor ihrer Familie auf Lesereisen. In den Briefen tauchen die existentiellen Sichtweisen der beiden Mittvierzigerinnen auf, die im dritten Teil ihres Lebens angelangt sind. Was wird noch sein in diesem Leben? „…wir werden geboren, … dann rennen, eilen wir hin und her und dann sterben wir auch schon, mehr ist es nicht“. Ein außerordentlich feinmaschiger Inhalt, sehr im Alltag verstrickt, wenig von größeren äußeren Ereignissen beeinflusst. Die Reflexionen sind in sich emotional schlüssig und konsequent durchdacht und zeichnen keine vereinfachte Bilderbuchlandschaft nach. Melancholisch. ML

Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später. 685 Seiten, S. Fischer, Frankfurt/M. 2017 EUR 24,70

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