Wie die Schule ungleich macht

Dieser sehr anregende Sammelband der Erziehungswissenschaft gruppiert Beiträge zu Schulalltag und Lehrpraxis um Judith Butlers Theorie der Subjektivation – also der Herstellung von Subjekten durch Macht- und Normierungsprozesse. Allen Aufsätzen liegt eine doppelte Reflexivität zu Grunde: Zum einen geht es um das Erkennen (verdeckter) Strukturen, die Ungleichheiten im System Schule erhalten und reproduzieren, zum anderen darum, wie Kategorien von Differenz durch ihre Benennung (z.B. „Migrationspädagogik“) erst hergestellt werden können. Die einzelnen Beiträge beziehen sich auf Butler nicht nur als Gender-Theoretikerin, sondern nutzen ihr Konzept der Subjektivierung, um auch Rassismus und Homophobie in der Schule aufzudecken. In einem bewegenden Nachwort greift Butler das Thema Schule auf und setzt es in einen breiten gesellschaftlichen Kontext, sicher auch in Anlehnung an Michel Foucaults Untersuchungen zu totalen Institutionen, in dem Schule ein Raum ist, in welchem Menschen (diskursiv) normiert und geformt werden. Dieser Vorgang wird jedoch nicht als eindimensionaler Zuschreibungsprozess von Differenzen verstanden, sondern als vieldimensionales Geflecht, in dem Ursache und Wirkung von allen Akteur_innen getragen und beeinflusst werden. Der Sammelband bietet so die Möglichkeit grundsätzlich kritisch über das System Schule nachzudenken und ruft zur (Selbst-) Reflexion auf, um den gewaltsamen Normierungsprozess, zu dem auch die Schule erheblich beiträgt, zu Gunsten einer gewaltfreien und inkludierenden Praxis aufzulösen.   Lydia Linke

(Re-) Produktion von Ungleichheiten im 
Schulalltag. Judith Butlers Konzept der Subjektivation in der erziehungswissenschaftlichen Forschung. Hg. von Bettina Kleiner und Nadine Rose. 191 Seiten, Verlag Barbara Budrich, Opladen-Berlin-Toronto 
EUR 24,90

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