Zeitlebens Revolutionärin

Marie Langers Erinnerungen sind Zeugnis eines aufregenden, intensiven, emanzipierten Lebens, eingebettet in die einschneidendsten politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Die deutsche Übersetzung ihrer Memoiren ist schnell verschlungen – packend und berührend zugleich erzählt sie über ihre Jugend in den 20er Jahren in Wien, ihre frühe Politisierung und Militanz in der Kommunistischen Partei, das Leben und Kämpfen in der Illegalität während des Austrofaschismus und Nationalsozialismus und ihrer Zeit als Ärztin im Spanischen Bürger*innenkrieg. Mit scharfer Analyse, Offenheit und mit Humor gespickt beschreibt sie ihre sexuelle Emanzipation, ihre ersten Berührungen mit Feminismus/Marxismus in der bekannten Schule von Eugenie Schwarzwald und ihre kritische Analyse der Freud’schen Psychoanalyse. Das Nachwort der Herausgeberin erweitert das Bild durch den Blick auf ihre weiteren Lebensstationen im Exil in Lateinamerika. Die Lektüre macht große Lust auf eine vertiefende Auseinandersetzung mit dieser wichtigen Widerstandskämpferin und Pionierin einer feministischen, politischen Psychoanalyse. Unbedingt eintauchen!‹ Maria Hörtner

Marie Langer. „Während die Welt brennt, kann man nicht dasitzen und seinen Nabel betrachten.“ Hg. von Ulrike Schmitzer. 128 Seiten, Edition Atelier, Wien 2026 EUR 21,00