Zwischen Intensität und Abgrund

In Lidia Yuknavitchs Erzählband Schläge wird man regelrecht in zwanzig völlig unterschiedliche Lebensrealitäten hineingestoßen. Die Geschichten kreisen um Themen wie Organhandel, Flucht, Drogensucht, sexuelles Verlangen, Mädchenhandel und körperliche wie seelische Verletzungen. Es ist ein forderndes Buch: Die Darstellungen sind roh, schonungslos und von großer Intensität. Die Schauplätze, die man betritt, die Figuren, denen man begegnet, bewegen sich weit abseits des Gewöhnlichen und der gesellschaftlichen Norm. Nichts wird beschönigt – im Gegenteil, vieles wird unbarmherzig offengelegt. Man erhält in den Erzählungen nur flüchtige, zugleich eindringliche Einblicke in diese Lebenswelten, ohne zu erfahren, wie es dazu gekommen ist oder wie sich die Schicksale weiterentwickeln. Die Themen berühren unterschiedlich stark, verlangen jedoch allesamt die gleiche Offenheit und Aufmerksamkeit beim Lesen.
Daniela Verfiel

Lidia Yuknavitch: Schläge.  Aus dem Engl. von Claudia Max. 208 Seiten, Btb, München 2026 EUR 14,40