Bereit für ein intensives Leseerlebnis?

Das geht unter die Haut! Jovana Reisinger, Filmemacherin und bildende Künstlerin, liefert mit dem Roman „Still halten“ ihr erstes Werk als Autorin ab. Der Protagonistin, die namenlos bleibt und hauptsächlich aus der Ich-Perspektive erzählt, geht es nicht gut und ihr wurde eine ärztliche Auszeit verschrieben. Während dieser Auszeit stirbt ihre Mutter. Die Protagonistin zieht von Wien in das nun leerstehende Familienhaus auf dem Land. Dort begreift sie die Natur als ihre Feindin, sie fühlt sich von dem angrenzenden Wald bedroht. Es kommt zu einem tragischen Finale, nach welchem die Erzählung dann doch noch unaufgeregt fortgesetzt wird.

Viel packender als die Handlung an sich ist die düstere und pessimistische Atmosphäre, die Reisinger gekonnt kreiert und die eine beim Lesen durchdringt. Zu leicht identifiziert man sich mit der Protagonistin und hat direkt an ihrer depressiven Gedanken- und Gefühlswelt teil, was in dieser Intensität schon fast unangenehm ist. Die häufigen geschickten Wortspiele, zum Beispiel Worte in ihrer Doppelbedeutung, sowie die eingestreuten österreichischen Dialektausdrücke verleihen dem Buch eine besondere Note.

Birgit Coufal

Jovana Reisinger: Still halten. 200 Seiten, Verbrecherverlag, Berlin 2017 EUR 19,60

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