Die Begleitung eines Demenzkranken

Tagebücher zu Gedanken der Tochter über einen Zeitabschnitt im Leben des „Herrn Vattern“. Gezeigt wird das langsame Wahrnehmen der leichten Altersdefizite bis zur fortschreitenden Demenz des Betroffenen aus der Sicht der hauptsächlichen Pflege- und Bezugsfigur, der Tochter. Dabei fallen die immer stärker werdende Überforderung und deren Symptome der Tochter auf, die mit ihrem Mann in einer Wohnung im Haus des Vaters lebt. Es gibt viele Möglichkeiten das Begleiten eines Menschen im letzten Lebensabschnitt zu gestalten und dies auch zu beschreiben. Realistischer ist es wohl noch selten beschrieben worden. Eines steht eindeutig fest, viel schlechter kann man es nicht mehr machen, ob aber viel besser? Die Möglichkeit die zermürbenden Belastungen, Köperpflege, Putzdienste, Verwahrlosungen, Fehlverhalten, Aggressionen, Verdummung etc. an Professionist*innen abzugeben und sich dadurch eine normale Beziehung erhalten zu können, wird nicht in Erwägung gezogen. WARUM? Man weiß es nicht. Finanzielle Gründe, vielleicht? Das Haus soll im Besitz bleiben? „Man gibt niemanden in ein Heim?“ Umkehrung der Machtstrukturen? Die Erzählerin, Hauptbezugsfigur, hat für sich

die Strategie entwickelt, ihre jeweiligen Empfindungen und Zustände in ein Tagebuch zu schreiben. Sie bezeichnet es selbst als ihren Therapeuten, nachdem sich die in Anspruch genommene therapeutische Hilfe als wenig hilfreich erwiesen hat. Erschreckend authentisch.

Maria Weywoda

Andrea Wolfmayr: Vom Leben und Sterben des Herrn Vattern, Bauer, Handwerker und Graf. 54 Seiten. Edition Keiper, Graz 2016 EUR 24,00

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