Das Paradies, das nie eines war

Frieda Troost lebt voll und ganz in ihren Erinnerungen. Als Kind wurde sie von der Mutter bei ihrer Tante abgegeben und hat ihr gesamtes Leben als Zimmermädchen im Hotel „Zum Löwen“ gearbeitet. Vierzehn Zimmer müssen in Ordnung gebracht werden. „Die Betten papierglatt und papierweiß“ lautet das Credo. Nun ist das Hotel seit Jahren geschlossen, aber Frieda wohnt immer noch dort – von der Umwelt völlig vergessen. Während sie eine „Negerin“* vom Fenster aus beobachtet, die vor dem Hotel steht und wartet, schimpft sie auf alle, die sie nicht kennt und nur scheel durch die Vorhänge beobachtet, als „Zigeuner“, „Kroppzeug“, „Ölaugen“*. Eines Nachts findet sie eine Afrikanerin im Schankraum des Hotels. Nasifa ist eine junge Frau aus Ghana, ein Flüchtling, schwanger und nicht gewillt, das alte Hotel als Unterschlupf wieder zu verlassen. Ein Kleinkrieg zwischen den Frauen beginnt. Doch auch kleine Annäherungen, Situationen, in denen die beiden Frauen sich unterstützen und helfen, finden statt.

Astrid Sozio erzählt ihren Debütroman aus der Perspektive der alten Frau, in ungekünstelter, oft brutaler Sprache. Es ist über weite Strecken des Buches schmerzhaft, all diese unwidersprochenen Rassismen, abfälligen Bemerkungen und Zuschreibungen zu lesen und es ist nicht nachvollziehbar, warum die Protagonistin so agiert. Erst in den letzten Kapiteln löst sich die Geschichte auf, schließt sich der Kreis und kann der Roman als gelungenes Statement zur heutigen Flüchtlingsdebatte, gelesen werden. Ein gelungenes Debüt, dem man mehr Achtsamkeit beim Lektorat gewünscht hätte. Birgit Holzer
*Zitate aus dem Roman

Astrid Sozio: Das einzige Paradies. 336 Seiten, Piper, München 2016 EUR 22,70

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