Des – orientale

Kimiâs Sadrs Geschichte beginnt in der Kinderwunschabteilung eines Krankenhauses in Paris und mit ihrem Urgroßvater Montazemolmolk in Manzandaran, einer Provinz im Norden Irans. Diese beiden Erzählstränge strukturieren den Roman. Kimiâ ist lesbisch und wünscht sich sehnlichst ein Kind, so landet sie mit einem HIV positiven Freund in der Kinderwunschabteilung, der nicht nur Samenspender sein wird, sondern Vater mit zwei Müttern. Der zweite Erzählstrang führt uns durch drei Generationen von Kimiâs Verwandtschaft im Iran, die politischen Umschwünge des Irans von 1900-1980, den Sturz des Schahs, die kommunistische Opposition und die gewaltsame Machtergreifung von Ajatollah Ruhollah Chomeini. Die Verfolgung von Kimiâs Eltern als kommunistische Oppositionelle zwingt die Familie Sadr zum Exil in Paris.

Liebevoll und mit Nachsicht wird die Leser_in in die Welt von Kimiâ eingeführt. Durch die kleinen Einschübe in den Fußnoten über Iranische Geschichte und Geographie wird mensch in der eigenen europäischen Ignoranz erwischt. Tragisch-komische Momente bei der Suche nach dem Platz in der Welt, die nach dem Exil nicht einfacher wird, machen diesen Debütroman zu einer unglaublich bewegten und berührenden Autobiografie. Ein must-read!

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Négar Djavadi: Desorientale. Aus dem Franz. von Michaela Meßner. 398 Seiten, Verlag C. H.Beck, München 2017 EUR 22,70

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