Düstere Dystopie aus Niederösterreich

„Das Dorf ist eine Versammlung von netten Menschen, die untereinander alle verfeindet sind.“ Dieses Zitat von Friedrich Achleitner ist dem Roman von Marlen Schachinger vorangestellt und beschreibt treffend den düsteren Ton des Buches, in dem die Kluft zwischen Arm und Reich, die Zumutungen der Geschlechterverhältnisse und die Auswirkungen von Rassismus, national und global, beschrieben werden. Mona ist eine erfolgreiche Philosophieprofessorin, die an der Universität Wien unterrichtet. Mit ihrem Lebensgefährten Emil ist sie vor kurzem in ein Dorf im nördlichen Weinviertel gezogen. Beide geben den im Dorf einquartierten Flüchtlingen ehrenamtlich Deutschunterricht. Das Drama nimmt seinen Lauf, spätestens als eine syrische Frau mit ihrer Tochter zu Mona zieht. Die Situation spitzt sich zu – am Land und in der Stadt. Mona bekommt Drohbriefe und ist immer häufiger Anfeindungen ausgesetzt. Marlen Schachinger ist ein politischer Thriller gelungen, der streckenweise an die unerträgliche Ausweglosigkeit der Figuren von Patricia Highsmith erinnert. Ein Roman mit Tiefgang, der ein brisantes und aktuelles Thema behandelt. Empfehlung. bf

Marlen Schachinger: Martiniloben. 504 Seiten, Septime, Wien 2016 EUR 24,00

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