Erinnerungen an den Irak

Brigitte Findakly, Koloristin für Comiczeichner*innen, gibt mit der Graphic Novel „Mohnblumen aus dem Irak“ ihr autobiografisches Debüt als Autorin. Findakly hat als Tochter einer Französin und eines Irakers ihre Kindheit im irakischen Mossul verbracht. Als sie Teenagerin ist, siedelt die Familie Anfang der 1970er Jahre aufgrund der politischen Bedingungen im Irak nach Frankreich um. Findakly schenkt uns sehr persönliche Erinnerungen aus ihrer Zeit in Mossul und an das Einleben in Frankreich. Sie reist auch wieder in den Irak, aber als Besucherin. Über die Jahre stellt sie fest, dass sie „immer weniger in den Irak passt“. So werden die Entwicklungen im Irak bis hin zur Machtübernahme des IS in Mossul 2014 aus der Ferne beobachtet, mit schwerem Herzen. Dennoch, oder gerade deswegen, ist das Buch ein wichtiges und berührendes Erinnerungsstück an den Irak der 1960er Jahre und danach aus Findaklys Perspektive. Die Darstellung der persönlichen Erlebnisse in ansprechenden Zeichnungen wird mit Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Familienalbum abgerundet. Im Klappentext findet sich eine ergänzende historische Zeittafel zu den Ereignissen im Irak. Für mich macht die Stärke des Buches vor allem aus, dass Findakly in ihren Erzählungen nicht urteilt, sondern unterschiedliche Bräuche, Glaubensrichtungen und Meinungen ohne Wertung nebeneinander existieren lässt.

Birgit Coufal

Brigitte Findakly, Lewis Trondheim: Mohnblumen aus dem Irak. Aus dem Franz. von Ulrich Pröfrock. 112 Seiten, Reprodukt, Berlin 2017 EUR 18,50

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