Frauen bereuen, Mutter geworden zu sein

Dies ist eine gesellschaftliche Tatsache, die weitgehend unausgesprochen bleibt. Aufgrund des hohen Drucks auf junge Frauen, in der Mutterschaft ihre große Erfüllung zu finden, bleiben die Belastungen der Mutterschaft oft unausgesprochen. Doch Orna Donath geht es nicht um jene Frauen, die unter dem Stress leiden, Kinder großziehen zu müssen, sondern spricht dezidiert jene an, die es bereuen, überhaupt jemals Mutter geworden zu sein. Nach der Veröffentlichung ihrer Studie, welche Interviews mit jüdischen Müttern aus Israel beinhaltet, welche von sich selbst sagen, sie wären lieber wieder Mutter von niemandem, löste die Autorin im Netz unter dem Hashtag #regrettingmotherhood, eine Kontroverse aus. Viele Frauen fühlten sich durch Donaths Veröffentlichungen verstanden und ihre eigenen Gefühle endlich bestätigt, andere fühlten sich durch die Bewegung empört. In jedem Falle ermöglichte die Autorin durch ihre Studie Unaussprechliches sagbar und analysierbar zu machen. Leider reflektiert Donath in diesem Buch nicht stark genug die kulturellen Gegebenheiten der israelischen Gesellschaft, in welcher die von ihr befragten Frauen Mütter geworden sind. Dadurch werden von ihr oftmals universale Behauptungen aufgestellt, die auf Gesellschaften mit anderen normativen Strukturen nicht in gleichem Maße anzuwenden sind. Für all jene, die sich für den enormen Druck auf Frauen der israelischen
Gesellschaft interessieren, Kinder zu produzieren und darin ihr Glück zu finden, diesen Kindern ihr Leben zu widmen, ist dies jedoch sehr aufschlussreicher Lesestoff.

lena

Orna Donath:#regretting motherhood. Wenn Mütter bereuen. 272 Seiten, Knaus   Verlag, München 2016 EUR 17,50

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