Geschichten vom Überleben

Es ist ein ausgezeichneter dystopischer Social Fiction Roman, den Edan Lepucki als ihr Debut vorlegt. Sie denkt glaubwürdig weiter, was passiert, wenn Wirtschafts- und Klimakrise (in den USA) ungehindert weiterwuchern. Nach diversen Naturkatastrophen bricht die Wirtschaft zusammen, Schulen, Universitäten, Geschäfte, Elektrizitätswerke schließen, Regierung und Behörden versagen, sehr viele Menschen sterben, nur wenige überleben – darunter die Reichen, die sich in sogenannte Communities zurückziehen, oft von Firmen finanziert (u.a. Amazon), wo es noch Strom und künstliche Nahrung gibt, aber auch geschlechtliche Arbeitsteilung mit hohem Fortpflanzungsdruck. Andere wiederum suchen ihr Glück alleine in den weiten Wäldern. So auch Frida und Cal, die L.A. verlassen, um fortan als SelbstversorgerInnen fernab der früheren Städte und Infrastruktur zu leben. Das geht auch mehrere Jahre lang gut, bis sie losziehen, um einem Gerücht folgend eine Gemeinschaft von SiedlerInnen zu finden. In „The Land“, wie die Gemeinschaft sich nennt, stellt sich ihr bisheriges Leben auf den Kopf. Es gibt Geheimnisse, strenge Regeln und – wie Frida kritisiert – zunehmend traditionelle Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern. Frida und Cal müssen eine Entscheidung treffen, deren Konsequenzen allerdings erst nach dem Ende des Buches so richtig wirken werden.
Lepucki zeichnet ein realistisches Bild, was in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein könnte. Beim Lesen entsteht das dringende Bedürfnis, die eigenen Überlebenstechniken aufzufrischen. gam
Edan Lepucki: California. Roman. Aus dem Amerikanischen von Gesine Schröder. 416 Seiten, Blumenbar, Berlin 2015 
EUR 20,60

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