In die Freiheit segeln, um zuhause zu sein?

Skip, eine junge Frau, wächst als Halbwaise in ärmlichen Verhältnissen in Amsterdam auf, ist immer wieder bei einer reichen Familie zu Besuch und findet schließlich in einer kleinen Crew auf dem weiten Meer ihre Heimat. Die 30jährige Skip segelt nach sieben Jahren auf See wieder zurück nach Amsterdam, um sich ihren neuen existentiellen Herausforderungen zu stellen. Die Autorin führt mehrere Erzählstränge nebeneinander, die ineinander greifen ohne die Leser*innen zu verwirren oder es langatmig wirkt. Auch aktuelle Themen wie beispielsweise Abtreibung, Magersucht oder Heimat werden von der Autorin in die Geschichte hineingenommen und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Schon allein mit dem Titel trifft die Autorin gesellschaftspolitisch ins Schwarze: Denn ‚Zuhause‘ ist immer noch auch ein großes Wort, was die aktuelle Situation der – aus wirtschaftlichen und politischen Gründen geflüchteten – Heimatlosen betrifft. Jedoch „die Frage nach dem Zuhause, wird abgeschüttelt, um Tränen zu vermeiden. […] Aber wer keine Chance auf Heimkehr hat, soll woanders sein Zuhause finden, und dort sein Lieblingsessen kochen, seine Lieder singen oder die Liebsten küssen […] Denn Zuhause ist hier und da.“, so ist es im Roman über die Bedeutung des Begriffs ‚Zuhause‘ zu lesen. Es ist Polaks zweiter Roman, mit ihrem eigenen unverwechselbaren Sprachstil, interessant und zeitlos geschrieben, aber ‚Zuhause‘ hat auch eine symbolische Bedeutung, wie zum Beispiel das auf dem Buchcover abgebildete Gürteltier. Empfehlenswert.
Vero
Nina Polak: Zuhause ist ein großes Wort. 270 Seiten, Mare-Verlag, Hamburg 2023 EUR 24,50