Informelle Pflege aus wissenschaftlicher Sicht

Rund 80% der Pflege und Betreuungsleistungen werden in Österreich im informellen Rahmen, also von Angehörigen, Bekannten, FreundInnen und Nachbarinnen erbracht. Das Buch befasst sich mit den herrschaftlich verfassten Rahmenbedingungen sowie vielfältigen Problemfeldern der Pflegenden und deckt damit auch Blindstellen sowohl in der Forschung als auch im real existierenden Unterstützungsangebot für Pflegebedürftige (u.a. mit Migrationshintergrund oder gleichgeschlechtlich l(i)ebende Frauen) auf. Die einführenden Kapitel bieten einen profunden Einstieg in die Themenfelder Intersektionalität, Wohlfahrtsstaatsanalysen sowie das österreichische Pflegesystem. Die folgenden Beiträge, die zu den Themenschwerpunkten Lebenslagen und Bedürfnisse informell Pflegender sowie zu vorhandenen bzw. eben nicht vorhandenen Unterstützungsstrukturen zusammengefasst sind, decken in Summe breit gestreute und im einzelnen sehr konkrete Fragestellungen ab. Eine mögliche Kapitalismuskritik sowie der Anspruch eine intersektionelle Perspektive anhand der Verschränkungen von (meist) Geschlecht/Klasse/Nationalität zu leisten, wird von den einzelnen Beiträgen unterschiedlich erfüllt. Konkrete gemeinsame politische Handlungsstrategien werden (lediglich) in Birgit Meinhard-Schiebels Artikel „… damit habe ich nicht gerechnet!“ von der Interessensgemeinschaft Pflege aufgezeigt. Die Beiträge sind überwiegend in einer (sehr) wissenschaftlichen Sprache verfasst und richten sich demnach mehrheitlich an ein Fachpublikum. Käthe Knittler

Elder Care – Intersektionelle Analysen der informellen Betreuung und Pflege alter Menschen in Österreich. Hg. von Erna Appelt, Eva Fleischer und Max Preglau. 236 Seiten, Studienverlag, Innsbruck 2014
EUR 24,90

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