Kategorie: Aktuelle Ausgabe
Die Kunsthistorikerin und Ethnologin Agnés Humbert (geb. 1894) war Kämpferin in der Résistance, indem sie als Mitarbeiterin des Musée de l’Homme in einem Kreis von Intellektuellen eine Widerstandszeitung mitproduzierte und Kurierdienste leistete. Die Gruppe wurde jedoch bereits im Frühjahr 1941 inhaftiert und einige Männer wurden zum Tode verurteilt, während die...
Was erhofft sich die ausgesetzte Hündin, was denkt sie sich, wenn ein Auto wie das ihrer früheren Familie vorbeifährt? Wann wird ihr klar, dass sie verlassen wurde? Und wie spiegeln sich Klischees über Frauen und ihre Reproduktionsfähigkeit im Umgang mit Tieren? Konsequent aus der nicht-menschlichen Perspektive erzählt María Ospina Pizano...
Was bei der Katastrophe genau passiert ist, habe ich nicht zu 100% verstanden. „Die Erde war einfach umgefallen“, werden zu Beginn tiefer gehende Ausführungen zur Katastrophe ergänzt, damit auch die naturwissenschaftlichen Nackerpatzerln sich etwas vorstellen können. Nach exzessivem menschlichen Raubbau ist die Erde aus dem Rhythmus der (Jahres-)Zeiten gekippt –...
Die Folgen des Klimawandels haben ein System von abgeschotteten Siedlungen hervorgebracht. Die Grenze ist der einzige Ort, an dem die Anwendung von Gewalt noch nicht abgeschafft wurde, und abgesehen von einigen Lastwägen, die den Warenaustausch organisieren, gibt es keine Berührungspunkte zwischen den Siedlungen. Auch die Protagonistin, die die Lücken füllt,...
Ein sicherer Ort ist der Folgeroman von That`s Life in Dystopia und spielt circa zehn Jahre nach einer Katastrophe, bei der ein Großteil der Menschheit das Leben verloren hat. Kleinere Gruppen haben auf der Welt verteilt überlebt und sind dabei, neue Gesellschaften zu etablieren. Die Vorstellung, Gesellschaften neu zu strukturieren...
In „Halbe Leben“ erzählt Susanne Gregor von einer Zweckwohngemeinschaft aus dem Blickwinkel von drei Frauen: dem der beruflich erfolgreichen Architektin Klara, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter Ada in einem Haus in Oberösterreich wohnt; aus dem ihrer Mutter Irene, die nach einem Schlaganfall bei ihnen einzieht und Unterstützung benötigt...
Lore wächst in den 1990er Jahren auf dem Land auf. Nur ihre Brüder dürfen dem Großvater helfen, der die Großmutter mit Schweigen bestraft, wenn der Tisch nicht richtig gedeckt ist oder wenn er das Chaos sieht, wenn Lore mit der Großmutter Höhlen unter dem Esstisch baut. Auch alle Geschichten vom...
Berührend und melancholisch wie der Mond: Paulina Czienskowskis neuer Roman liest sich eher wie ein Gedicht in mehreren Akten. Wer Handlung und Spannung erwartet, wird enttäuscht – die Lektüre verlangt langsames Lesen und eine Begeisterung für Sprache, die Aufmerksamkeit beansprucht. Zyklisch tastet sich die Erzählerin an ihre Kindheit heran. Vor...
Eine Frau verliebt sich in einen Mann. Sie bekommen ein gemeinsames Kind. Weil der Mann zu lethargisch ist, trennt sich die Frau von ihm. Die Frau verliebt sich erneut. Der neue Mann ist sprachgewandt, politisch und ihre große Liebe. Seine Stimmungsschwankungen, seine Ausraster und alle anderen Warnzeichen werden ignoriert. Bis...
Schalentiere am Waldboden ist ein Debütroman, der schnell Lust auf mehr macht. Die Autorin erzählt in fantasievollen, bunten Bildern vom Leben in einem zum klima-neutralen Musterdorf auserkorenen Ort. Diese scheinbare ländliche Idylle und das Begehren nach einer perfekten Welt zerplatzen beim Lesen so schnell wie der Traum der Zugezogenen vom...