Kläffen neben Klassikern

Der Band ist die Veröffentlichung der Dissertation von Teresa Kovacs, die sie im Jahr 2016 an der Universität Wien erfolgreich abschloss. Die Autorin ist auf (österreichische) Literatur nach 1925, Theater und dabei besonders Elfriede Jelinek spezialisiert. Kovacs entfaltet in ihrer Schrift eine außergewöhnlich präzise und umfassende Kritik des Dramas und damit des dominanten Sprechtheaters. Geschlechterstereotypen und deren Unterwanderung in der (Theater-)Sprache nehmen dabei, als inhaltliche Füllung des Begriffs der „Störung“, einen bedeutenden Raum ein, den Kovacs ausgehend von Kommunikationstheorien entwickelt. Ihre Gedankengänge sind besonders kreativ, weil sie interdisziplinär Konzepte verbindet und damit sehr genaue theaterwissenschaftliche Analysen vorlegt und gleichzeitig eine Kritik der Zweigeschlechtlichkeit entwickelt, die sich nahtlos in bestehende Konzepte wie die Gender- und Queer-Studies einfügt: Was genau ist eine Störung, und wie können Agent*innen feministischen und queeren Handelns Heteronormativitäten unterlaufen? Welche Rolle haben Sprache und Kunst dabei? Diese brennenden und umfassenden politischen Fragen entstehen anhand der Lektüre des Buches, auch wenn es ausschließlich literaturwissenschaftlich zu sein scheint. „Drama als Störung“ ist auch ein Lesegenuss, weil Kovacs sehr klar und präzise formuliert, der Band sei daher Allen Feministinnen – oder solchen, die es werden wollen –, die sich für Literatur, Kunst und Kultur interessieren, empfohlen.

Katharina Pewny

Teresa Kovacs: Drama als Störung. Elfriede Jelineks Konzept des Sekundärdramas. 311 Seiten, transcript, Bielefeld 2016 EUR 39,99 

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